Unterarm und Handgelenk

Unterarm und Handgelenk

Distale Radiusfrakturen

Distale Radiusfrakturen sind die häufigste Fraktur der oberen Extremität. Man unterteilt die Frakturen in loco typico in Extensions- (Colles) und Flexionsfrakturen (Smith), je nach Traumamechanismus und der resultierenden Abkippung des distalen Fragmentes. Außerdem benannt sind Chaffeur-Frakturen als Fraktur des Proc. styloideus radii. Eine zusätzliche Verletzung der Ulna ist bei hoher Krafteinwirkung möglich, meist eine Abrissverletzung des Proc. styloideus ulnae und gegebenenfalls eine Verletzung des triangulären fibrocartilaginären Komplexes (TFCC), der als Diskus eine Dämpferfunktion zwischen Ulna und Handwurzelknochen übernimmt. Auch das distale Radioulnargelenk (DRUG) kann bei mehrfragmentären Frakturen eine Instabiltät aufweisen.

Colles-Fraktur

Smith-Fraktur

Enstehungsmechanismus einer Extensionsfraktur (Colles-fracture)

Colles-Fracture

Colles-Fraktur (Extensionsfraktur)

Die Einteilung erfolgt gewöhnlich anhand der AO-Klassifikation in A (extraartikulär), B (intraartikulär) und C (intraartikulär mehrfragmentär) -Verletzungen. Instabilitätskriterien sind eine eingestauchte Trümmerzone, ein Abriss des Proc. styloideus ulnae, Radiusverkürzung, Abkippen des distalen Fragmentes >20° nach dorsal oder palmar, radioulnar Dissoziation, Tendenz zur Redislokation nach Reposition.

Einteilung nach Frykmann (1967)

Frykmann I
Frykmann II
Frykmann III
Frykmann IV
Frykmann V
Frykmann VI
Frykmann VII
Frykmann VIII

Frykmann

I: Extraartikulär ohne...
II: Extraartiukär mit...
...Fraktur des Proc. styloideus ulnae

Frykmann

III: Radiokarpal ohne...
IV: Radiokarpal mit...
...Fraktur des Proc. styloideus ulnae

Frykmann

V: Radioulnar ohne...
VI: Radioulnar mit...
...Fraktur des Proc. styloideus ulnae

Frykmann

VII: Kombination ohne...
VIII: Kombination mit...
...Fraktur des Proc. styloideus ulnae

Colles-Fraktur

Colles-Fraktur

Colles-Fraktur

Colles-Fraktur

Colles-Fraktur

Therapie

Eine konservative Therapie ist bei einfachen Frakturen ohne signifikante Dislokation (<2mm) oder reduziertem Funktionsanspruch (z.B. Alter/Demenz) indiziert. Die operative Therapie mittels offener Reposition und interner Fixation mittels Plattenosteosynthese ist der Standard bei Extensions-/Flexionsfrakturen. Je nach Frakturtyp kann ein palmarer gegen einen dorsalen Zugang abgewogen werden.

Chaffeur-Frakturen können mit K-Draht oder Schraubenosteosynthesen versorgt werden. Bei polytraumatisierten Patienten kann eine Versorgung im Fixateur externe erfolgen, diese Behandlung ist jedoch mit einem erhöhten Risiko eines chronisch regionalen Schmerzsyndroms CRPS) assoziiert. Risikofrakturen für die Entstehung sind eine Nervenschädigung, eine intraartikuläre Fraktur sowie therapeutische/diagnostische Eingriffe. Zur Prophylaxe dieser schweren Komplikation ist adäquate Analgesie während der Reposistion und perioperativ, sowie eine nicht einschnürende Verbandstechnik zu achten.

Postoperativ besteht nach dorsaler Plattenosteosynthese ein erhöhtes Risiko für eine Sehnenruptur weshalb sich eine regelhafte Implantatentfernung nach 4-6 Monaten anschließt, während die palmare Platte meist durch die Übernähung des M. pronator quadratus räumlich von den Beugesehnen getrennt liegt. Sowohl nach konservativer und operativer Therapie wird ein vermehrtes Auftreten von Sehenscheidenentzündungen und Karpaltunnelsyndromen beobachtet.

Chaffeur-Fraktur

Chaffeur-Fraktur

Chaffeur-Fraktur = Frykmann III

Chaffeur-Fraktur

Reversed Chaffeur-Fraktur = Ulnare Kante

Distale Radiusfraktur

Perkutane Kirschnerdraht-Osteosynthese
(adapationsstabil)

Distale Radiusfraktur

Schraubenosteosynthese
(i.d.R. übungsstabil)

Distale Radiusfraktur

Palmare Plattenosteosynthese

Fixateur externe

Fixateure externe

Abgekippte Extensionfraktur AP

Abgekippte Extensionfraktur seitliche Aufnahme

Nach Versorgung AP

Nach Versorgung - seitliche Aufnahme