Ösophagusperforation


Einteilung

Prinzipiell lassen sich die Perforationen des Ösophagus von den wesentlich selteneren Rupturen abgrenzen. Die Ursachen können instrumentell sein z.B. beim Legen einer Magensonde oder bei der Endoskopie. Auch ingestierte Fremdkörper können zu einer Perforation führen. Am häufigsten sind dabei Essenboli, Knochen oder Gräten, aber auch Spielzeug oder Zahnprothesen kommen infrage.

Die spontane Ruptur des Ösophagus wird nach dem Erstbeschreiber dieses Krankheitsbild „Boerhaave-Syndrom“ genannt. Wobei der Begriff emetogene Ruptur besser geeignet ist, denn ohne eine Ursache kann es nicht zu einer Ruptur kommen. Allerdings kann die Ruptur im Rahmen eine Boerhaave-Syndrom auch ohne zu Grunde liegende Vorschädigung des Ösophagus nach einer Episode mit forciertem Erbrechen auftreten.

Einteilung
Instrumentell
  • Endoskopie
  • Magenesonde
Penetration von Fremdkörpern
  • Essensboli
  • Knochen, Gräten
  • Spielzeug
  • Gebisse, Prothesen
Ruptur (Booerhave-Syndrom)
  • Spontane, emetogene Zerreißung der Speiseröhre nach forciertem Erbrechen

Booerhave-Syndrom mit ausgeprägtem Mediastinalemphysem

Anamnese & Klinik

Eine Ruptur des Ösophagus geht mit einem starken retrosternalen Schmerz einher, Patienten berichten über einen „Vernichtungsschmerz“ der auf den Thorax oder das Epigastrium lokalisiert wird. Da es rasch zu einer Mediastinitis oder zu einem Pleuraemypem kommt, weisen die Patienten bereits nach kurzer Zeit Symptome des Schocks auf. Für die Prognose relevant ist auch die Ätiologie der Läsion.

Diagnostik

Eine Durchleuchtung mit wasserlöslichem Kontrastmittel ist geeignet, die Perforation oder Ruptur darzustellen, die Ösophagogastroskopie kann sie morphologisch sichern. Eine Computertomografie kann ein Mediastinalempyhsem oder Pleruaempyhsem aufdecken. Prinzipiell gilt aber: „Die Diagnostik darf in keinem Fall den Beginn der Therapie verzögern!“

Therapie:

Iatrogene Läsionen beispielsweise durch eine Magensonde haben eine bessere Prognose, wenn sofort eine konsequente Nahrungskarenz begonnen und der Patient antibiotisch abgedeckt wird. Viel entscheidender ist allerdings der zeitliche Verlauf. Je länger der Zeitraum zwischen Trauma und Therapie ist, desto schlechter wird die Prognose. Unbehandelt versterben alle Patienten mit einer Ösophagusruptur- oder Perforation.

Kleinere Läsionen können mit einem Stent abgedeckt werden. Distale Defekte werden übernäht und mit einer Fundoplicatio gedeckt. Intrathorakale Defekte werden mit einem Pleuraflap abgedeckt. Als Ultima ratio bleibt die Ösophagusresektion und Rekonstruktion mittels Magenhochzug oder Koloninterponat. Dies wird als zweizeitges Verfahren durchgeführt, damit sich der Patient in der Zwischenzeit stabilisieren und eine Sepsis ausreichend behandelt werden kann.

Kunststoff-Stent

Kunststoff-Stent

mit freundlicher Genehmigung: Albertinen-Krankenhaus Hamburg
Dor-Fundoplicatio

Anteriore Fundoplicatio nach Dor zur Deckung des Befundes

Magenhochzug

Magenhochzug nach Resektion des distalen Ösophagus

Ösophagusdivertikel
Ösophagusverätzung