Adipositaschirurgie

Adipositaschirurgie

Die Behandlung adipöser Patienten steht mehr und mehr im Mittelpunkt unserer ärztlichen Tätigkeit. Sei es als Chirurg, für den stark übergewichtige Patienten eine Herausforderung darstellen, da Operationen durch das extreme Übergewicht erschwert werden oder als Internist bzw. Hausarzt, zu dem adipöse Patienten kommen, und um Hilfe bitten bei der Gewichtsreduzierung. BMIAls Maßstab zur Bewertung der Adipositas dient immer noch der Body-Mass-Index als Quotient aus Gewicht und Körpergröße in cm zum Quadrat. Dies ist insofern problematisch, als dass es zwar eine grobe Vorstellung davon vermittelt, wie übergewichtig jemand ist, aber nicht, wie krank. Eine Therapieempfehlung und vor allem eine Indikation für eine Operation sollte aber immer auf Grund von Risikoabschätzungen und nicht auf dem Boden von rein morphologischen Faktoren gestellt werden. Es gibt Patienten, die einen BMI weit über 35 haben, metabolisch aber gesund sind. Sicherlich ist es viel sinnvoller, einen Patienten zu operieren, der auf Grund seiner Nebenerkrankungen eher von einer solchen Behandlung profitieren wird. Daher werden sich in Zukunft sicherlich auch in Deutschland andere Kriterien durchsetzen, die das individuelle Gesundheitsrisiko berücksichtigen, dass für die einzelnen Patienten besteht. Ein solcher Score ist das Edmonton Obesity Staging System, das durch Dr. Sharma vorgeschlagen wurde.

big_earth_07Adipositas ist ein globales Problem, dem wir uns stellen müssen, als Individuen, als Gesellschaft und vor allem auch als Mediziner, egal welcher Fachrichtung. Nach wie vor ist Adipositas mit vielen Vorurteilen und Vorverurteilungen behaftet. Die landläufige Meinung ist vielerorts, dass diese Patienten ein selbstverschuldetes Problem haben und einfach weniger essen und sich mehr bewegen müssten. Diese Empfehlung erfasst aber das multifaktorielle Entstehen der Adipositas überhaupt nicht, zudem wird sie von vielen Betroffenen als diskriminierend empfunden, da ein Großteil dieser Patienten wirklich alles - bisweilen auch temporär erfolgreich - versucht haben, ihr Gewicht zu reduzieren. Vielleicht hilft es in der Betrachtung der Adipositas klar zu unterscheiden zwischen Prävention und Therapie. Der Ratschlag, weniger zu essen und sich mehr zu bewegen ist sicherlich eine gute Präventionsmaßnahme, die jeder kennt, der mehr oder weniger erfolgreich mit seinem Gewicht kämpft. Aber als Therapieempfehlung für Adipöse taugt es leider nur sehr begrenzt. Man muss sich vor Augen führen, dass ein Patient, der diesen Ratschlag befolgen kann, gar nicht schwer adipös wird. Die Tatsache, dass jemand einen BMI von beispielsweise 50 kg/m2 oder mehr erreicht hat, zeigt, dass diese Art der Prävention versagt hat, aus welchem Grund auch immer. Daher nutzt ein solcher Ratschlag diesen Patienten nichts, er diskriminiert nur, da er die Problematik als rein persönliches Scheitern darstellt ohne wirkliche Hilfe anzubieten. Natürlich gibt es immer wieder plakative Einzelbeispiele, die in der Laienpresse und im Boulevard-TV spektakulär aufgegriffen werden, nur lässt sich daraus eben nicht ableiten, dass diese Konzepte für jeden Patienten funktionieren. Ein durch Studien als wirksam belegtes Therapiekonzept zur Behandlung der Adipositas gibt es nicht. Und das Problem der Adipositas ist kein Problem Einzelner, in Deutschland sind ca. 1,8 Mio. Menschen schwer adipös, Tendenz steigend. Natürlich müssen diese nicht alle operiert werden, aber die Adipositas ist eindeutig vergesellschaftet mit höheren Prävalenzraten an Diabetes, Bluthochdruck und vielen anderen Erkrankungen, die letztlich zu einer signifikanten Reduzierung der Lebenserwartung führt. Tatsächlich ist die Adipositas dabei den Trend umzukehren, das in den letzten Jahrzehnten die Sterblichkeit durch sog. vermeidbare Krankheiten stetig abgenommen hat. Man muss tatsächlich von einer Volkskrankheit der Adipositas sprechen.

zeitEin interessanten Aspekt griff in diesem Zusammenhang ein Artikel der ZEIT aus dem August 2011 auf, in dem anhand der Situation in arabischen Ländern das globale Problem der Adipositas erläutert wird. Bemerkenswert war in diesem Artikel, dass die Münchner-Rückversicherung, der weltweit größte Rückversicherer sich in den Golfstaaten in die Krankenversicherung einkauft. Dort findet der Gesellschaftswandel, den wir in den westlichen Industrienationen in den letzten 150 Jahren durchgemacht haben innerhalb einer bis zweier Generationen statt. Interessant ist aber vor allem, dass die Münchner Rück davon spricht, dass die Adipositas und die Auswirkungen auf die weltweiten Gesundheitssysteme die nächste große Herausforderung für die Menschheit sein werden, ein globales Problem. Nun mag das übertrieben erscheinen, aber es war genaue diese Münchner Rückversicherung, die in den 1970er Jahren anhand ihrer Schadensmeldungen prognostiziert hat, das ein Klimawandel stattfindet und dies zum globalem Problem werden wird - lange bevor dies ein öffentlicher Allgemeinplatz wurde.

Wir sollten - besonders wir als Ärzte - die Diskussion nüchtern und evidenzbasiert führen und nicht der Versuchung erliegen, Pauschalempfehlungen abzugeben, die mehr auf eigenen Erfahrung als auf medizinischer Evidenz und Studienlage basieren.

Welche Möglichkeiten haben wir nun als Chirurgen, die Adipositas und vor allem deren Folgeerkrankungen zu behandeln? Im Prinzip kann man die OP-Verfahren grob in restriktive, malabsorptive und kombinierte Verfahren einteilen. Näheres zu den einzelnen OP-Verfahren erfahren Sie auf unserer eLearning-Seite.

Comment ( 1 )

  • Angelika Mutterer

    Der BMI berechnet sich aus Körpergewicht und der Größe in m²! 😉

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